Handwerkliche Regeln


Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks ist der Herausgeber des Regelwerkes. Durch dieses Regelwerk wird der anerkannte Stand der Technik für alle Bereiche des Dachdeckerhandwerks dokumentiert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Erarbeitung dieses Regelwerkes erfolgt durch die Mitgliedsbetriebe der Innungen.

Wir danken insbesondere den ehrenamtlich tätigen Dachdeckermeistern für ihre Mitarbeit.

Folgend finden Sie einige Kernaussagen aus diesen Texten, die Ihnen einen Einblick gewähren sollen. Das vollständige Regelwerk können Sie beim Müller Verlag beziehen.

  1. Allgemeines
  2. Ausführung
  3. Deckarten
  4. Pflege und Wartung

1. Allgemeines

Reetdächer haben eine Mindestdachneigung von 45°. Bei darunter liegenden Dachneigungen – zum Beispiel auf Gauben – werden regelmäßig verkürzte Standzeiten der Reetdachdeckung festgestellt. Außerdem gilt es neben der Dachneigung auch eine erforderliche Halmneigung von mindestens 25° einzuhalten.

Im Bereich von Kehlen oder Dachgauben findet man oftmals geringere Dachneigungen vor. An diesen Stellen sind Neigungen unter 40° zu vermeiden.

Grundsätzlich gilt es bei der Planung und Ausführung eines Reetdaches für einen möglichst raschen Wasserablauf zu sorgen. Bei zu geringen Neigungen jeglicher Art oder gestörtem Wasserablauf ist mit einer erhöhten Wasserbindung im Dach zu rechnen. Die Standzeit wird kürzer. 

Traditionell sind Reetdächer als belüftete Konstruktionen gebaut worden. Mit dem neuzeitlichen Wunsch auch das Dachgeschoss nutzen zu können, war dies nicht immer gewährleistet. Nachweislich haben Reetdächer mit Belüftung eine längere Standzeit. Aus diesem Grunde ist eine Unterlüftung der Reetdachdeckung von mindestens 6 cm Höhe vorzusehen.

 

Örtliche Bestimmungen
Aus folgenden örtlichen Bestimmungen können sich zusätzliche Anforderungen ergeben:

  • Landesbauordnung,
  • bauaufsichtliche Vorschriften,
  • Städte- , Kreis- und Gemeindeverordnungen oder - satzungen,
  • Auflagen des Denkmalschutzes.

Das verwendete Reet muss dem Produktdatenblatt des Regelwerkes des Dachdeckerhandwerks entsprechen.

Wichtige Eigenschaften sind:
Reet soll ausgereift, sauber und blattfrei sein. Bei der Verarbeitung muss es trocken sein. 

Die erforderlichen Maße werden in einer gesonderten Tabelle gefasst. Es wird zwischen kurzen, mittellangen und langen Bunden unterschieden. Je nach Dachneigung, Sparrenlänge und Dicke der Reetdachdeckung wird die Länge der Reetbunde festgelegt.

Zur Deckung des Firstes werden Reet, Stroh, Heidekraut oder Grassoden verwendet. Ausführungen mit Dachziegeln, Dachsteinen, Wellplatten, Tonhauben, Kunststoffhauben u. a. sind möglich.

2. Ausführung

Das Reetdach wird als glatte Fläche in einzelnen waagerechten Lagen von der Traufe zum First gedeckt. Bei der Bindung der einzelnen Decklagen liegt der Draht von der Dachlatte gemessen etwa inmitten der Deckung.

Die Bindung muss fest an der Dachlattung liegen. Die Dicke der Reetdeckung beträgt mindestens 0,30 m.

3. Deckarten

Beim gebundenen Reetdach werden die Decklagen unter Verwendung eines Vorlegedrahtes mit Bindedraht an die Dachlatten gebunden.

Beim genähten Reetdach werden die Decklagen mit Draht ohne Verwendung eines Vorlegedrahtes an die Dachlatten gebunden. Die Bindungen sind in jeder weiteren Decklage versetzt anzubringen.

Beim geschraubten Reetdach werden die Decklagen unter Verwendung eines Vorlegedrahtes mit Draht befestigt, der an den Dachlatten angeschraubt wird. Dies ist die modernste und am meisten verbreitete Deckart. 

4. Pflege und Wartung

Wie jedes Bauteil unterliegt auch eine Dachdeckung der natürlichen Alterung.

Zum dauerhaften Erhalt der Funktion eines Reetdaches müssen diese in regelmäßigen Abständen gewartet werden. Die regelmäßige Inspektion oder Wartung eines Daches liegt im Verantwortungsbereich des Eigentümers. Er kann dadurch größeren Schäden am eigenen Gebäude vorbeugen. Vorzugsweise bietet sich dafür der Abschluss eines Inspektions- oder Wartungsvertrages mit einem Dachdeckerbetrieb an.

Die Arbeiten im Zuge einer Inspektion, Wartung und Pflege eines Reetdaches dienen maßgeblich zur Vermeidung größerer Schäden. Insbesondere ist darauf zu achten, dass ein Reetdach möglichst trocken ist bzw. bleibt. Alle Pflegemaßnahmen dienen daher in erster Linie zur Wiederherstellung eines optimalen Wasserablaufs bzw. einer besseren Abtrocknung des Daches. 

Ist die Reetdeckung so abgewittert, dass die Bindung zum Vorschein kommt, ist die Deckung nicht regensicher und eine Neudeckung erforderlich.